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Impfen Leitartikel

20.08.2005

Varizellen

Zur Erinnerung: STIKO empfiehlt Varizellenimpfung als Standardimpfung (IMI)

Seit 2004 wird von der STIKO die Impfung gegen Varizellen für alle Kinder und Jugendlichen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr empfohlen. Da Varizellen normalerweise eine leicht verlaufende Virusinfektion ist, ist vielen KollegInnen nicht kalr, warum die STIKO ausgerechnet gegen Windpocken eine Impfprävention empfiehlt. Lassen wir zunächst Zahlen sprechen: Windpocken sind mit ca. 750.000 Fällen pro Jahr die häufigste impfpräventable Krankheit in Deutschland. Ursache ist das Varicella-Zoster-Virus, das nach einer Infektion lebenslang in Ganglienzellen des Menschen persistiert und das nach Reaktivierung ? vor allem im Alter ? den Zoster (Gürtelrose) hervorruft.

Die Komplikationsrate von Windpocken lag nach zwei Studien in Deutschland zwischen 0,85 pro 100.000 bzw. bei 5,7% der Erkrankten, in Abhängigkeit vornehmlich von der Definition des Begriffes ?Komplikation".

Ein Lebendimpfstoff ist seit Jahrzehnten verfügbar. Seine Wirksamkeit zur Verhinderung schwerer Verläufe liegt bei rund 95%, für leichte Fälle bei 70 bis 90%. In den USA ist die Impfung aller Kinder gegen Windpocken seit 1996 empfohlen und dort fand sich seither eine signifikante Reduktion der Fallzahlen, vor allem aber auch eine ausgeprägte Herdenimmunität. Gegen eine allgemeine Impfempfehlung sprechen erstens die theoretische Möglichkeit einer impfbedingten Verschiebung der verbleibenden Windpockenfälle ins Jugendlichen- und Erwachsenenalter und mithin eine Zunahme der Komplikationen sowie zweitens eine aus dem Wegfall der Kontakte mit dem Wildvirus (= exogener Booster) resultierende transiente Zunahme von Zoster-Fällen. Beides ist bisher in den USA nicht beobachtet worden.

Zur Krankheit:
Windpocken sind Folge einer primären Infektion mit dem Varicella-Zoster-Virus (VZV). Die Krankheit imponiert klinisch meist mit niedriggradigem Fieber, Krankheitsgefühl und einem juckenden Exanthem, das durch ein charakteristisches Nebeneinander von Papeln, Vesikeln und Krusten gekennzeichnet ist.

Auch die Schleimhäute können betroffen sein. Nach dem klinischen Verlauf unterscheidet man hauptsächlich zwischen:

? Windpocken beim Immunkompetenten (mit oder ohne Komplikationen)

? Windpocken bei angeborenem oder erworbenem T-Zelldefekt

? Windpocken bei Schwangeren

? Windpocken bei Neurodermitis

? konnatalem Varizellen-Syndrom und

? kurz vor der Geburt erworbenen Windpocken.

Die Krankheit ist hoch infektiös und hat in Deutschland ihren Inzidenzgipfel im Kindesalter. Das VZV persistiert lebenslang in Ganglienzellen und kann im Alter, bei einem T-Zelldefekt oder aber auch ohne erkennbaren Grund als Zoster (Gürtelrose) wieder klinisch in Erscheinung treten.

 

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