Impf-doc.de

Druckversion

Impfen Leitartikel

13.01.2005

Reisemedizin

Reisen mit Kindern

Auf Grund des fehlenden Hygieneverständnisses und wegen der Nähe zum Erdboden und zu Haustieren sind Kleinkinder auf Reisen gefährdet. Dies gilt besonders für Aufenthalte in Ländern mit einem niedrigen hygienischen Standard.

Kinderärzte raten von Reisen langen Flügen, Zeitumstellungen und drastischem Klimawechsel, besonders in malariagefährdete Gebiete, ab! Das gilt besonders für Kinder unter fünf Jahren.

Impfvorsorge

Ist eine Tropenreise jedoch unumgänglich, sollten Kinder einen ausreichenden Impfschutz vorweisen. Dabei müssen besonders im Kleinkindalter bestimmte Regeln beachtet werden. Die Empfehlungen der Gesundheitsbehörden weisen auf die Einhaltung der Impfabstände und auf rechtzeitige Wiederimpfung hin.
Ein Impfschutz gegen Masern hat bei Auslandsreisen eine besondere Bedeutung, da diese Kinderkrankheit in den Tropen häufig vorkommt und zu schweren Krankheitsverläufen führen kann.
Bei einigen Impfungen bestehen Alterseinschränkungen, so dass diese erst ab einem bestimmten Lebensalter verabreicht werden dürfen. Unter Beachtung der Anwendungsvorschriften sind Impfungen aber generell unbedenklich. Unsere modernen Impfstoffe gehören übrigens zu den Arzneimitteln mit den geringsten Nebenwirkungen!

Wichtigste Impfungen vor Fernreisen im Kindesalter sind:

Tetanus, Polio, Diphtherie, Masern, Pertussis (Keuchhusten), Die Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Polio und Hepatitis B werden ab dem 3. Lebensmonat für alle Kinder empfohlen.

Bei den Impfungen mit Alterseinschränkung gilt folgendes Mindestalter:

 

Cholera parenteral/zur Injektion

6 Monate

Cholera-Schluckimpfung

2 Jahre

FSME-Kinderimpfstoff

1 Jahr*

Gelbfieber

6 Monate

Hepatitis A

12 Monate

Influenza

6 Monate

Japanische Enzephalitis

12 Monate

Masern

9 Monate

Meningokokken Meningitis (Polysaccharidimpfstoffe)

2 Jahre

Mumps

15 Monate

Röteln

12 Monate

Tollwut

12 Monate

Typhus oral

12 Monate

Typhus parenteral/zur Injektion

2 Jahre

*) Der neue, am 21.12.2001 zugelassene FSME-Impfstoff für Kinder (EncepurâKinder) ist gut verträglich und vom vollendeten 1. Lebensjahr an zugelassen. Bei 1 - 2-jährigen Kindern empfiehlt die STIKO allerdings eine sorgfältige Indikation.

 

Malariaschutz

In Malariagebieten besteht für Kinder eine zusätzliche Gefahr, weil Malaria bei Kindern oft untypisch verläuft, nicht rechtzeitig erkannt wird und somit lebensgefährlich ist. Medikamente zur Vorbeugung einer Malariainfektion sind besonders im Kindesalter entsprechend den Anweisungen zu dosieren. Leider sind nicht alle Mittel in den für Kinder geeigneten Saftzubereitungen erhältlich. Bei Kleinkindern verläuft die Malaria oft schwer und untypisch, so dass auf Reisen in gefährdete Gebiete unbedingt verzichtet werden sollte.

Wenn eine Reise mit Kindern unumgänglich ist, empfiehlt die WHO die strenge Beachtung folgender Punkte:

  • Kinder nur unter Moskitonetzen schlafen lassen
  • Gestillte Kleinkinder benötigen eine eigene Prophylaxe, da Muttermilch keinen Schutz bietet
  • Kleinkinder bekommen zur Prophylaxe Chloroquin (und evtl. Proguanil), ab 5 kg Körpergewicht kann auch Mefloquin gegeben werden; die Medikamente können zur Applikation z.B. mit Marmelade gemischt werden
  • Medikamentendosis streng am Körpergewicht orientieren (siehe Tabelle)
  • Kein Doxycyclin für Kinder unter dem 8. Lebensjahr einsetzen
  • Bei fiebernden Kindern sofort einen Arzt aufsuchen

Beachten Sie, dass bei Kindern unter 3 Monaten Malaria auch ohne Fieber auftreten kann

Kleinkinder lassen sich relativ gut vor Mückenstichen schützen. Bei einer konsequenten Expositionsprophylaxe (Mückennetze, Kleidung, evtl. Einreibemittel) kann das Risiko gesenkt werden.

Expositionsprophylaxe

Die Expositionsprophylaxe (passive Vorsorge) ist stets sehr ernst zu nehmen und muß immer Priorität vor einer medikamentösen Prophylaxe haben, auch kann eine vorbeugende Medikamentengabe die passiven Schutzmaßnahmen auf gar keinen Fall ersetzen. Vor einer Reise in Malariagebiete sollte man wissen, dass es keinen hundertprozentig sicheren Malariaschutz gibt.
Anopheles-Mücken, die Malaria-Überträger, stechen bevorzugt mit Beginn der Abenddämmerung bis zum Morgengrauen. Entsprechend sollten Reisende besonders zu diesen Zeiten für einen sorgfältigen Mückenschutz entsprechend der folgenden Regeln sorgen:

Repellents sind insektenabweisende Mittel und werden an unbedeckten Hautstellen angewendet. Eine wissenschaftlich belegte Wirkung haben die verschiedenen Autan-Präparate. Sie bieten einen Schutz von bis zu 8 Stunden auf den eingeriebenen Hautstellen, haben einen angenehmen Geruch und werden mittlerweile von der WHO empfohlen. Eine Anwendung bei Kindern vor dem 2. Lebensjahr sollte vermieden werden, obwohl gesundheitliche Schäden bisher nicht bekannt wurden. Mittel auf pflanzlicher Basis (z.B. ätherische Öle) haben leider keine nachgewiesene Wirksamkeit!

Moskitonetze sollten immer und besonders für Kinder genutzt werden. Sie können in insektenabweisenden Lösungen getränkt und imprägniert werden.

Es gilt: Kein Stich, keine Malaria!


(IMI)


 

Inst4med
Tel: 0049 [0]30-473722-27
Fax: 0049 [0]3222-996758-3
www.impf-doc.de