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Impfen Leitartikel

09.05.2006

Tetanusschutz

Tetanusschutz wird häufig vergessen

Eine 80-jährige Freiburger Frau zog sich nach einer Bagatellverletzung bei der Gartenarbeit eine Tetanusinfektion zu. In der Klinik kam es zu Laryngospasmen, Tachykardien und Tachypnoen. Sie konnte nach intensiver Therapie mit Immunglobulin sowie Penicillin G und Metronidazol mit einer Beugestellung an Hand und Finger entlassen werden.

Zur Rekapitulation:

Erreger
Sporen des Bakteriums Clostridium tetani

Vorkommen
weltweit in Erdreich, Straßenstaub, Tiergebissen

Infektionsweg
Fast jede Verletzung, ob ein einfacher Hautriß oder eine durch einen Verkehrsunfall verursachte Verletzung, kann den Sporen den Eintritt ermöglichen.

Inkubation
3 - 21 Tage, die Wunde kann längst verheilt sein.

Krankheitszeichen/ Verlauf
Die Krankheit wird durch die Auswirkungen eines potenten Neurotoxins verursacht, welches das Bakterium in abgestorbenem Gewebe (zum Beispiel in nicht gesäuberten Wunden) produziert. Klinische Symptome bei Tetanus sind Muskelkrämpfe, anfänglich der Kaumuskeln, welche zum Trismus (Kiefersperre) führen, der dann den charakteristischen Gesichtsausdruck "Risus sardonicus" verursacht. Äußerst bedrohlich wird der Krankheitszustand, wenn die Krämpfe auf die Atemmuskulatur übergehen und zu Erstickungsanfällen führen. In einigen Fällen kann das Toxin auch auch die inneren Organe wie das Herz und die Bauchspeicheldrüse sowie das Nervensystem schädigen. Die Körpertemperatur der Betroffenen ist im Gegensatz zu anderen Infektionen nur leicht erhöht. Im fortgeschrittenen Stadium können selbst kleine externe Berührungen generalisierte Tetanusanfälle auslösen, die zu ernsten Komplikationen und zum Tod führen, wenn nicht unmittelbar eine Intensivtherapie eingeleitet wird. Nach einer Tetanusinfektion kann man nur die Symptome behandeln. Nach einer Verletzung muß die Wunde sorgfältig gereinigt werden. Eine Tetanusimpfung kann die Bakterien nicht neutralisieren, sondern wirkt nur gegen das Tetanustoxin. Eine Behandlung mit Antibiotika kann eine Toxinbildung vermindern. Trotz moderner Behandlungsmethoden sind die Heilungschancen besonders bei älteren Menschen schlecht. Die Sterblichkeit beträgt bei ungeimpften Personen mehr als 30 Prozent. Der einzige Schutz ist eine vollständige Grundimpfung.

Passiver Schutz
menschliche Immunglobuline als einmalige Seruminjektion im Verletzungsfall bei fehlendem Impfschutz

Impfstoff
Tetanus-Toxoid (Totimpfstoff) zur Injektion

Anwendung
Die normale Grundimmunisierung bei unverletzten Erwachsenen erfolgt durch zwei Impfungen im Abstand von vier bis sechs Wochen, eine dritte Injektion wird nach sechs bis zwölf Monaten gegeben, meist in Kombination mit einem Diphtherieimpfstoff. Die Auffrischimpfung erfolgt alle zehn Jahre ebenfalls vorzugsweise zusammen mit Diphtherie. Kleinkinder erhalten Injektionen im 3., 4., 5. und 12. bis 15. Lebensmonat. Eine weitere Auffrischimpfung in Kombination mit Diphtherie erfolgt vor der Einschulung im 5. bis 6. Lebensjahr sowie zwischen dem 9. und 18. Lebensjahr. Erwachsene erhalten alle zehn Jahre eine erneute Auffrischung. Verletzte Personen, die über eine vollständige Grundimmunisierung verfügen, erhalten nur dann eine einmalige Dosis, wenn zwischen letzter Tetanusimpfung und der Verletzung mehr als fünf Jahre liegen. Bei nicht oder nur unvollständig geimpften Personen oder bei fehlendem schriftlichem Impfnachweis werden die fehlenden Impfungen nachgeholt. Die Anzahl hängt von den Vorimpfungen ab. Bei stark verschmutzten Wunden, Biß-, Stich- oder Schußverletzungen, sowie bei tiefen Schnitten und offenen Knochenbrüchen, aber auch bei ausgedehnten Verbrennungen sollte eine zusätzliche passive Immunisierung erfolgen. Dabei wird ein Serum verabreicht, das bereits Antikörper gegen das Tetanustoxin enthält und sofort wirksam wird.

Impfschutz
Der Impfschutz beträgt 10 Jahre, danach sollte eine Auffrischimpfung erfolgen.

Nebenwirkungen
Allgemeinreaktionen sind Teil der normalen Auseinandersetzung des Organismus mit dem Impfstoff.

  • Sie sind alle in der Regel vorübergehend und klingen rasch und folgenlos wieder ab
  • Sie treten innerhalb von 1-3 Tagen nach einer Impfdosis auf, halten selten länger an.

Bei bis zu 2 von 10 Impfungen ist die Impfstelle rot, geschwollen und schmerzt. Bei weniger als 1 von 100 Impfungen sind die Lymphknoten in der Nähe ebenfalls beteiligt. Bei weniger als 1 von 10.000 Impfungen bildet sich ein kleines Knötchen an der Injektionsstelle, im Einzelfall wird daraus ein steriler Abszess.
Bei weniger als 1 von 1.000 Geimpften kann es zu Allgemeinsymptomen wie leichtem bis mäßigem Fieber, grippeähnlichen Symptomen (Frösteln, Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit, Kreislaufbeschwerden) oder Magen-Darm-Beschwerden (Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall) kommen ? häufiger bei bereits oft gegen Tetanus Geimpften.
Komplikationen - Bei weniger als 1 von 1.000 Geimpften treten allergische Reaktionen an der Haut oder an den Atemwegen auf. In Einzelfällen wurde eine ?allergische Sofortreaktion? beobachtet (siehe ?Verhalten nach der Impfung?). Ebenfalls vereinzelt sind Erkrankungen des Nervensystems außerhalb von Gehirn und Rückenmark beschrieben worden. Dies äußerte sich z.B. durch Lähmungen, Missempfindungen, Erschöpfungszustände, Übererregbarkeit oder fortschreitende Ausfälle.

Bemerkungen
Kombinationsimpfstoffe z.B. zusammen mit Diphtherie, Polio, Pertussis und Hib erhältlich, TD für Kinder bis 6. LJ, Td mit reduzierter Diphtheriedosis für Personen ab dem 7. LJ, Abstand zu anderen Impfungen ist nicht erforderlich.

 

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