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Impfen Leitartikel

18.09.2007

Berufsrecht

Darf nur noch fachbezogen geimpft werden?

Laut Ärztezeitung vom 14.9.2007 wies die Berliner KV ihre Ärzte darauf hin, dass nur noch Allgemeinmediziner alle Impfungen vornehmen dürften, alle anderen Ärzte nur noch fachbezogen. Ausgenommen seien nur Not- und Bereitschaftsdienste und die Tetanusimpfung für Verletzte.
Die Fakten:

  • Der G-BA formulierte in der Schutzimpfungs-Richtlinie (SiR) vom 21.06.2007:
    "§10 - Qualifikation der impfenden Ärzte. Schutzimpfungen nach dieser Richtlinie können nur Ärzte im Rahmen ihrer berufsrechtlichen Zuständigkeit durchführen, welche über eine entsprechende Qualifikation gemäß Weiterbildungsordnung zur Erbringung von Impfleistungen verfügen."
  • Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) forderte nach Rücksprache mit der Bundesärztekammer am 27.8.2007 eine klarere Formulierung und schlägt vor: "Schutzimpfungsleistungen nach dieser Richtlinie können Ärzte erbringen, die nach den berufsrechtlichen Bestimmungen die Voraussetzungen zur Durchführung derartiger Schutzimpfungen erfüllen."

(Quelle: http://www.g-ba.de/downloads/40-268-408/2007-06-1-Schutzimpfung_BMG.pdf)

Die SiR wurde vom BMG unter Auflagen nicht beanstandet und tritt daher mit Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft, diese fand aber noch nicht statt.

Kommentar

Wollten wir nicht Impfhindernisse abbauen?
Wenn man die Richtlinien liest, dann könnte man meinen, die Verordnung boykottierte das hohe Ziel, dass sich alle, die es mit der Prävention ernst meinen, gesetzt haben. Mehrere Anrufer in der Redaktion bezichtigten den G-BA nach dieser Meldung gar als "Impfverhinderer" und Interessensvertreter einiger Fachgruppen. Will man vielleicht auf diese Weise die Impfkosten senken, war die Frage einiger KollegInnen. Wer übernimmt die Verantwortung für vermeidbare Fälle von Krankheit und Tot?

Um den scheinbaren Widerspruch zu klären, muss man zunächst fragen: Wie war es denn bisher?
Das Berufsrecht erlaubt ärztliches Handeln nur dann, wenn der Arzt zu diesem Handeln befähigt ist. Bei Kinderärzten und Allgemeinmedizinern ist das Impfen fester Bestandteil der fachärztlichen Weiterbildungsordnung, diese Arztgruppen dürfen also Impfleistungen ohne Einschränkungen erbringen. Für andere Facharztrichtungen sieht das allerdings anders aus. So werden in der Weiterbildungsordnung z.B. der Frauenärzte und Chirurgen keine Impfkenntnisse festgeschrieben und meist in der Ausbildung auch nicht vermittelt. Aber in Deutschland werden seit 10 Jahren zunehmend flächendeckend Impfkurse angeboten, so dass sich auch Arztgruppen fachliches Grundwissen beim Impfen aneignen können, wenn es die Weiterbildungsordnung nicht vorschreibt. Klaus Wahle, Mitglied der STIKO und Beiratsmitglied des von www.impfbrief.de bestätigt auf Anfrage: "...Es ist immer schon so gewesen, dass die Berufsordnung bzw. Weiterbildungsordnung den Zugang zum Impfen geregelt hat." Und weiter erklärt er: "...Darin sehe ich nicht etwa eine Restriktion, sondern eine Möglichkeit, alle Ärzte an diesen Präventionsleistungen zu beteiligen."
Bleibt abschließend zu hoffen, dass auch die KV-en den Impfgedanken fördern und nicht mit neuen Hindernissen aufwarten.

Quelle: www.impfbrief.de (Ausgabe Nr. 5 vom September 2007)

 

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