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Impfen Leitartikel

08.04.2008

Masern

Masernausbruch in der Schweiz

Die Schweiz erlebt derzeit den größten Masernausbruch seit Beginn der Aufzeichnungen 1999. Er begann November 2006 im Kanton Luzern und hält bis heute an. Seit Oktober 2007 werden die meisten Fälle aus den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Land gemeldet. Bis zum 13. Februar 2008 traten 1.405 Masernfälle auf, davon 1.106 im Jahr 2007. Der Ursprung des Ausbruchs ist unbekannt. Bei 56 Patienten aus 10 Kantonen wurde Masernvirus Genotyp D5 nachgewiesen. Es wird daher von einem anhaltenden Ausbruch seit November 2006 ausgegangen. Genotyp D5 stammt aus Südost-Asien.

Über 1.319 Fälle liegen Detailinformationen vor: 104 (7,9%) mussten stationär behandelt werden, 4,8% erkrankten an Lungenentzündung, 6 Fälle (0,5%) von Enzephalitis bzw. Verdacht auf Enzephalitis wurden registriert. Wie zu erwarten, war die überwiegende Mehrzahl der betroffenen Personen ungeimpft (85%) oder nur ein Mal geimpft (4,5%); siehe nachfolgende Tabelle.

Tabelle Masernausbruch

Es erkrankten bisher vornehmlich Schulkinder, aber auch junge Erwachsene. Der Altersmedian liegt bei 11 Jahren. Das Alter der Patienten steigt derzeit an: Während 2006 und 2007 noch 29% im Alter von 15 Jahren und älter waren, macht diese Altersgruppe im Jahr 2008 bislang 53% der Erkrankten aus.

In der Schweiz haben durchschnittlich 86% aller Kinder im Alter von 2 Jahren ihre erste Impfdosis erhalten, 70% eine zweite Impfdosis. Seit 1991 bis zu Beginn dieses Jahrzehnts stagnierte die Durchimpfungsrate bei 82%. Die zweite Masernimpfdosis wurde 1996 eingeführt. Über die Jahre konnte sich daher eine große Anzahl empfänglicher Personen ansammeln.

Für Maßnahmen zur Kontrolle des Ausbruchs sind in der Schweiz die einzelnen Kantone zuständig: Information der Bevölkerung, Nachverfolgung von Kontaktpersonen sowie erweiterte Impfempfehlungen gehören unter anderem zu den ergriffenen Maßnahmen, gesonderte Impfaktionen in Reaktion auf den Ausbruch sind jedoch nicht bekannt geworden. Die Eidgenössische Kommission für Impffragen des empfiehlt allen Personen, die nach 1963 geboren wurden und die nicht nachweislich immun gegen Masern sind, den Impfschutz auf zwei Impfungen gegen Masern, Mumps und Röteln zu ergänzen. Nach Auskunft von Jean-Louis Zurcher, BAG, empfiehlt das Bundesamt die Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln zudem allen ungeschützten Besuchern aus dem Ausland, vor allem den Teilnehmern an Großereignissen, wie der Euro 2008 vom kommenden Juni. Diese Information wird laut Zurcher demnächst auf den Internetseiten des BAG verfügbar.

Kommentar

Masern sind hoch ansteckend und die Bevölkerung Europas ist sehr mobil. Masernfälle in Karlsruhe, dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald und Lörrach stehen mit dem Masernausbruch in der Schweiz in Verbindung. In den vergangenen drei Jahren gab es in Europa größere Masernausbrüche in Bayern, Appulien (Italien), der Region Genf (Schweiz) und London (Großbritannien). Wenn anlässlich der EM aus ganz Europa Personen mit unzureichendem Impfschutz die Schweiz besuchen, sind weitere Masernfälle und lokale Ausbrüche europaweit vorprogrammiert. Es ist daher sehr sinnvoll, wenn Fußball-Fans vor der Einreise in die Schweiz ihren Masernschutz prüfen und ggf. vervollständigen lassen würden.

Quelle: impfbrief.de

 

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