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Impfen Leitartikel

18.03.2009

Impfprogramme

Wes Brot ich ess, des Lied ich sing?

Immer wieder werden zu geringe Impfraten beklagt. Nach den gesamtgesellschaftlichen Ursachen hierfür wird jedoch selten geschaut. Neben Vergessen gehört Verunsicherung zu den häufigsten Gründen, warum nicht geimpft wird. Niedergelassene begegnen regelmäßig Halbwahrheiten und schlichtweg falschen Behauptungen zum Impfen vor allem aus dem Internet. Wie groß dessen Einfluss ist, zeigt die nachfolgende Arbeit in diesem Impfbrief. Bereits bei vielen Anlässen wurde über den Einfluss des Internet diskutiert, unter anderem auch im Rahmen des Treffens der deutschsprachigen Länder der "WHO-Region Europe" am 18.-19. Mai 2006 in Berlin. Um ein Gegengewicht zu schaffen, rief die WHO als eine Art Gütesiegel das "vaccine safety web" ins Leben. In die Liste werden ausschließlich nicht-kommerzielle Anbieter aufgenommen, deren Impf-Informationen auf naturwissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen und die qualitativ hochwertig sind.

Das allein scheint jedoch nicht zu reichen. Staatliche oder andere neutrale Impfseiten stehen - wenn überhaupt - nur sehr selten weit oben im Google. Und machen wir uns nichts vor: Google ist der Brockhaus des elektronischen Zeitalters, den vor allem gebildetere Schichten nutzen, die schlechter geimpft sind. Der Umgang mit diesen Informationen ist zudem doppelzüngig. Während Informationsmaterial, das pro Impfungen spricht, sofort "Angstmache" vorgeworfen wird, wenn drastische Einzelschicksale und schwere Folgen von impfpräventablen Erkrankungen thematisiert werden, arbeiten so genannte impfkritische Seiten ganz vehement mit diesem Mittel, ohne diesem Vorwurf im selben Maße ausgesetzt zu sein. "Only bad news are good news" heißt eine alte Wahrheit, die am Beispiel der Impfungen besonders drastisch hervortritt: 100.000 aufgrund von Impfungen gesund gebliebene Menschen machen weniger her als ein Todesfall nach einer Impfung, dessen ursächlicher Zusammenhang fraglich ist.

Die Bundesländer kommen praktisch seit Jahrzehnten ihrem gesetzlichen Auftrag zur Aufklärung und Impfung der Bevölkerung nicht ausreichend nach. Ohne engagierte Personen in verschiedensten Institutionen, die Gelder aus der Industrie akquirieren und ohne Hersteller, die bereit sind, diese auch ungebunden zur Verfügung zu stellen, sähe es mit der Aufklärung, der Epidemiologie und den Durchimpfungsraten in Deutschland noch um vieles schlechter aus. Diese aus der Not geborene Allianz schadet jedoch ebenso seit Jahrzehnten der Glaubwürdigkeit des Impfgedankens. Es ist kein Wunder, dass medizinische Laien das Impfwesen in Deutschland als industriegesteuert wahrnehmen. Dabei fragt kaum jemand nach der Neutralität und Qualität der Informationen, nur nach der Herkunft der Gelder.

In seinem Schlusswort auf der 1. Nationalen Impfkonferenz kündigte Staatssekretär Christoph Habermann an, dass das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium in die kommende Gesundheitsministerkonferenz einen Antrag auf einen gemeinsamen Impfplan einbringen wird. Das ist sehr zu begrüßen. Im nächsten Atemzug bat er jedoch die Konferenzteilnehmer, eine Stimmung für Impfungen zu schaffen, um den Beschluss in der Gesundheitsministerkonferenz durchsetzen zu können. Wie soll das gehen ohne die Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung, für die in den vergangenen 10 bis 20 Jahren kaum Geld da war? Da beißt sich die Katze in den Schwanz. "Wollen" Jugendliche ein Alkoholverbot? Ist ein staatliches Impfprogramm nicht opportun (wohlgemerkt, hier ist nicht von der Pflichtimpfung die Rede!), muss der Bevölkerung auch gesagt werden, dass wir bewusst weiterhin mit den Folgen schlechter Impfraten leben möchten.

Wird auf der Gesundheitsministerkonferenz ein bundesweiter Impfplan beschlossen, würde von diesen schönen Worten noch niemand geimpft. Ein gut organisiertes Impfprogramm für Deutschland ist nur für Geld zu haben. Woher dies kommen soll, muss durch die Regierung geklärt werden. Der wichtigste Faktor ist jedoch, dass man sich anschließend auch offen zu der jeweiligen Lösung bekennt.

Quelle: Editorial aus Impfbrief-Online, März 2009, von Heike Thiesemann-Reith, Chefredakteurin des IB-Online, http://www.impfbrief.de

 

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