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Impfen Leitartikel

06.05.2011

Masern

Masern-Toter in München

Am 4. April 2011 starb im Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München ein 26-jähriger Tumorkranker an Masern. Zwei Mitarbeiter (ein Arzt und eine Krankenschwester) sowie ein Mitpatienten steckten sich an. Alle drei sind inzwischen genesen. Allein aus der Stadt München wurden seit 1. Januar dieses Jahres 80 Masernkranke an das Robert Koch-Institut gemeldet. Siehe auch den Masernticker für Deutschland >>>

Kommentar aus www.impfbrief.de:
So traurig der Todesfall ist, der eigentliche Skandal ist, dass auf einer Station mit Tumorpatienten Personal eingesetzt ist, dass nicht gegen wesentliche Infektionskrankheiten immun ist. Mit dieser Praxis steht das Münchner Klinikum keineswegs allein da. Nach Auskunft des leitenden Pressesprechers Philip Kreßirer führt das Klinikum seit gut einem Jahr in einer Datenbank Buch über den Immunitätsstatus der Mitarbeiter und nimmt bei der Besetzung von Stationen darauf Rücksicht. Wie das Beispiel zeigt, reicht in der Praxis diese Maßnahme zusammen mit der Einstellungsuntersuchung keineswegs aus. Maserninfizierte sind bereits ansteckend vor Ausbruch der Krankheit. So kam es auch zur Ansteckung weiterer Kontaktpersonen, obwohl der Patient sofort isoliert wurde als seine Masernerkrankung bekannt war.
De Fakto sind Impfungen auch für medizinisches Personal fast immer freiwillig. Die entsprechende Arbeitsschutzverordnung (ArbMedVV) ist in dieser Hinsicht hoffnungslos veraltet. Sie fordert nur einen Masernimpfschutz für Personal in der Kinderbetreuung und im Labor, das mit Masernviren umgeht. Überspitzt formuliert, bleibt es also für das medizinische Personal an Deutschlands Kliniken bei einem Hinweis während der Einstellungsuntersuchung, dass ein vollständiger Impfschutz sinnvoll wäre und je nach Kliniksleitung dann für unvollständig Geimpfte ggf. bei einem eingeschränkten Einsatzbereich.
Übrigens ist medizinisches Personal an Deutschlands Kliniken auch nur selten zu mehr als der Hälfte gegen saisonale Influenza geimpft.

Deutschland soll schon kommendes Jahr in den Zertifizierungsprozess für die Maserneliminierung eintreten. Ohne groß angelegte Impfkampagnen für alle Bevölkerungsteile ist das schon jetzt illusorisch zu nennen.

 

 

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